Teilzeit, Homeoffice, Jobsharing …

Forschungsbericht zu Erwerbsarbeitszeitmodellen und deren Potenzial für Geschlechtergleichstellung

Und die Kollegin verlässt wieder kurz vor 14 Uhr die Besprechung … Alltag in deutschen sowie in österreichischen Betrieben und Behörden, denn Frauen mit Kindern oder anderen familiären Verpflichtungen arbeiten häufig in Teilzeit. Nur so können Sie allzu oft Erwerbs- und Sorgearbeit sinnvoll kombinieren. Dass dies somit ein echtes Karrierehindernis darstellt, ist unumstritten.

Im Juni 2020 erschien nun ein Forschungsbericht des Österreichischen Instituts für Familienforschung an der Universität Wien, die ebenjener Frage nachgeht, welches Potenzial für Frauenförderung und Geschlechtergleichstellung mit den verschiedenen Erwerbsarbeitszeitmodellen einhergeht. Die Autor*innen Eva-Maria Schmidt, Markus Kaindl und Wolfgang Mazal untersuchten „das Erwerbs-verhalten von Frauen [in Österreich] im Allgemeinen, sowie andererseits ein allgemeines aber kollektives Grundverständnis und Leitvorstellungen darüber, wie Frauen arbeiten (sollten). “ Hernach betrachteten sie die arbeitsrechtliche Diskussion der Arbeitszeitmodelle und diskutierten abschließend auf dieser Basis das Potenzial der unterschiedlichen Erwerbsarbeitszeitmodelle: „Welche Chancen eröffnen Modelle wie Führen in Teilzeit oder Top-Job-Sharing für Frauen? Was bedeuten die Entwicklungen für die Geschlechterhierarchie, für die Geschlech-tergleichstellung? Welche Ungleichheiten werden möglicherweise dadurch verfestigt?“

Verkürzt lässt sich zusammenfassen, dass die aktuell vorherrschenden „frauentypischen“ Arbeitszeitmodelle weit verbreitet sind, tendenziell eher zunehmen und dass sie tradierte Rollenbilder und geringe Aufstiegschancen für Frauen eher verfestigen. Gleichzeitig führen Maßnahmen mit dem Ziel der Frauenförderung nicht per se zu mehr Geschlechtergleichstellung, sondern hierfür „müssten sich normative Leitvorstellungen in Bezug auf Geschlechterrollen, elterliche Hauptverantwortungsbereiche und idealer Arbeitskraft verändern“.

Der Forschungsbericht bietet einen sauberen und umfassenden Blick auf die Verhältnisse in Österreich (die sich vermutlich gut auf Deutschland übertragen lassen) und macht in den Schlussfolgerungen deutlich, dass für eine höhere Geschlechtergerechtigkeit eine „Entkoppelung der Männer von automatisch und unhinterfragt zugeschriebener und ausgeübter Vollzeiterwerbstätigkeit sowie eine Entkoppelung der Frauen von automatisch und unhinterfragt zugeschriebener und ausgeübter Hauptverantwortung für die Kinderversorgung“ zielführend wäre; bspw. durch eine „Normalarbeitszeit mit verringertem Stundenausmaß zumindest für manche Phasen im Leben (bspw. Kinderbetreuungszeiten nach Familiengründung) von Frauen und Männern“ sowie explizite Ansprache der Väter bezüglich der Kinderbetreuungsverantwortung.

Herunterladen lässt sich der 32-seitige Forschungsbericht auf den Webseiten des Instituts: Österreichisches Institut für Familienforschung

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